Test – Das Orange in Bad Tölz

Wenn Praktikanten testen … Das Tölzer Nachtleben

Nachdem mir die typischen Redaktionsaufgaben, wie Kaffee kochen, putzen und Brotzeit holen unverschämter Weise von einem Tag auf den anderen untersagt wurden, machte ich mich auf in die große weite Welt, um mir eine andere Beschäftigung zu suchen. Also entschloss ich mich dazu, einfach das zu machen, was die Jugend laut Medienaussagen sowieso am besten kann: Feiern, trinken und - aus letzterem resultierend - Spaß haben. Da sie damit gar nicht so falsch liegen und man, wie Wulff bereits eindrucksvoll bewies, der Medienwelt ohnehin nicht widersprechen sollte, beugte ich mich ihrer Weisheit und zog los um das Tölzer Nachtleben etwas näher unter die Lupe zu nehmen. Erster Halt: Das Orange.

Service im Orange

Das Orange, eine Mischung aus Bar und Restaurant mit Party-Faktor, ist dort, wo früher einmal „Tom's Bar“ und danach die Chicaria angesiedelt war, vorzufinden. Mit dem Auto sehr gut zu erreichen – Feierwütigen ohne Führerschein oder Menschen, die bereit sind, ihre Mobilität zu Gunsten der hervorragenden Cocktails zu opfern, steht allerdings ein ca. 20-minütiger Marsch vom Tölzer Bahnhof bevor.

Aber kommen wir zum eigentlichen Testbericht: Das Test-Team bestand aus insgesamt sechs durstigen 19- bis 22-Jährigen unterschiedlichen Geschlechts, welche bereit waren, ihren Cholesterinspiegel sowie ihre Leber der Wissenschaft zur Verfügung zu stellen.

Um ca. 19:15 Uhr, also kurz nachdem das Orange seine Pforten öffnet, betraten wir vorfreudig die Bar-Gefilde. Nach einem kurzen Rundgang stellte sich heraus, dass nahezu alle Tische bereits reserviert waren (manche teilweise unsinnigerweise erst ab 22:00 Uhr), woraufhin uns die männliche Bedienung einen Platz direkt an der Bar anbot, „da wir dort dann eh gleich an der Quelle säßen“. VIP´s, eiskalt auf einen Platz an der Bar abgeschoben, das waren wir nicht gewöhnt, aber wie sagt man so schön in Bayern: „Woos wuisd macha…“.

Getränke

Der Samstag - von uns äußerst clever gewählt, da Happy Hour - veranlasste uns dazu, den Abend erst mal mit einer Runde Cocktails einzuleiten. Happy Hour, jeweils Freitag und Samstag von 19:00 bis 21:00 Uhr, sowie von 1:00 bis 3:00 Uhr, bedeutet, alle Cocktails für 5,50 €.
Hierbei ist zu erwähnen, dass selbst der normale Preis, welcher sich ungefähr zwischen 7,- und 10,- € bewegt, mehr als gerechtfertigt ist. Geboten wird eine wirklich große Auswahl, von den üblichen Kandidaten wie „Sex on the Beach“, „Long Island Ice Tea“ und „Swimming Pool“ bis zu alkoholfreien Cocktails. Die Cocktails, insbesondere der Premium-Cocktail „Long Island Ice-Tea“, sind meist recht knackig gemischt, dennoch nicht penetrant. Was die Getränke der Chicaria im Allgemeinen betrifft, gibt es absolut nichts zu mäkeln, auch das Bier schmeckt gewohnt gut und befindet sich mit 2,90 € für ein 0,4er Helles im Normbereich. 

Essen im Orange

Da es sich auf leeren Magen schlecht trinkt, kämpften wir uns durch die reiche Auswahl an Burgern (inklusive Pommes), Nudeln und verschiedenen Fleischgerichten. Des Weiteren werden auch noch partyübliche Knabbereien wie Tortilla-Chips und Chicken-Wings angeboten. Wir entschieden uns für verschiedene Burger und Nudeln, welche sich alle im Preissegment um die acht Euro bewegten.
Die Wartezeit ist hierbei – Überraschung – stark von der Anzahl der Gäste abhängig. So mussten wir dieses Mal lediglich zehn Minuten auf unser Essen warten, während wir letztens fast eine Stunde hungrig ausharren mussten.

Über die Qualität des Essens lässt sich jetzt auch kaum Schlechtes berichten. Die Nudeln waren allesamt gut gewürzt, schön angerichtet ergo absolut in Ordnung. Auch an den Burgern gibt es eigentlich nichts auszusetzen – einzig und allein das Burgerfleisch selbst lässt den üblichen Fleischgeschmack, wie man ihn von Mutti kennt, vermissen und schmeckt teilweise etwas sehr nach „Instant“. Die übrigen Zutaten wirkten allesamt frisch und lecker.
Bevor ich es vergesse: Lobend zu erwähnen sind auf alle Fälle noch die Pommes, die schön kross und im Gegensatz zu den Pommes, die man sonst so kennt, tatsächlich vernünftig gesalzen waren! 

Atmosphäre

Zum Ambiente allgemein lässt sich sagen, dass alles sehr geschmackvoll eingerichtet ist, die Musik ist modern, aber nicht aufdringlich, sodass man sich noch sehr gut unterhalten kann. Auch zum Thema Hygiene lässt sich nichts Schlechtes sagen. Die Toiletten sind sauber und auch die einsehbare Küche gibt keinen Anlass zu negativer Kritik. Die Zielgruppe der Bar lässt sich nur schwer festlegen, da von 16 Jahren aufwärts so gut wie alles vertreten ist.

Fazit:

Das Orange ist eine Bar für Alt und Jung, in der gut gegessen, vor allem aber sehr gut getrunken werden kann. Durch verschiedene Food- und Drink-Aktionen, Happy Hour, Burger-Sonntag etc. ist für Abwechslung gesorgt, wenn auch selten bis nie außergewöhnliche Events wie Live-Musik oder andere Showacts Teil des Barlebens sind.

Als Wiederholungstäter mussten wir allerdings feststellen, dass sowohl Wartezeiten, als auch die Freundlichkeit des Personals recht tagesformabhängig sind. Am Testabend gab es allerdings keinen Grund zur Beschwerde, vor allem aber das männliche Personal glänzte mit Freundlichkeit und Aufmerksamkeit.