Einfach gemeinsam leben...

Schaffung von bezahlbarem Wohnraum, Bekämpfung der Altersarmut, nachhaltige Lebensgestaltung. Alles Schlagworte, die nicht nur in den Medien immer präsenter werden, sondern Themen sind, die uns alle immer mehr betreffen oder in mittelfristiger Zukunft betreffen werden.


In Wolfratshausen fand am vergangenen Sonntag die Gründung eines neuen Vereins statt, der es sich zur Aufgabe macht, sich dieser Themen anzunehmen und Lösungsansätze für alternative Wohn- und Lebensformen voranzutreiben. Ein erstes Projekt ist dabei, auf Basis eines so genannten Tiny House Dorfes, bereits in der Planungsphase.


„Wir möchten mit diesem Dorf einen Wohn- und Lebensraum für eine generationsübergreifende Gemeinschaft schaffen- in der wir in der Praxis experimentell miteinander leben und lernen können; in der sich die Generationen ihrer Lebenssituation entsprechend in die Gemeinschaft einbringen; in der ältere Menschen nach dem Ausstieg aus dem Berufsleben eine sinnvolle Aufgabe in der Gemeinschaft haben; in der Kinder voneinander lernen; in der Berufstätige Entlastung bei der Erziehung erfahren“, sagt Natascha Haase, eine der Vorstandsmitglieder. „Uns ist dabei wichtig, dass wir in dieser Gemeinschaft den Konsens der gegenseitigen Toleranz und den Respekt vor der Privatsphäre des Einzelnen leben“, so Haase weiter.


Die Argumentationen für ein Tiny House Dorf, sind dabei laut Verein vielfältig. Was aber genau ist ein Tiny House eigentlich?


Das Tiny House
Als Tiny House werden kleine, voll ausgestattete Häuser bezeichnet, die eine Grundfläche von ca. 16 – 30 m² haben. Diese Häuser sind in der Regel mobil. Entweder weil sie selber auf einem Hänger gebaut sind (so genanntes Tiny House on Wheels) oder in der Bauweise eines Containers gebaut wurden, welcher sich mittels LKW mobilisieren lässt.
Was sind die Vorteile eines Tiny Houses?

  1. Ein Tiny House kostet je nach Ausstattung zwischen 30.000 € und 100.000 €. Somit bietet das Tiny House die Möglichkeit, Wohneigentum zu schaffen, ohne einen unübersehbaren Schuldenberg anhäufen zu müssen.
  2. Bauland in Ballungsgebieten und deren Speckgürtel sind durch Grundstücksspekulation und die immer geringere Verfügbarkeit für einen normal verdienenden Menschen nicht mehr finanzierbar. Das Tiny House bietet durch seine mobile Bauweise die Möglichkeit, auch auf Flächen zu stehen, die kein Bauland sind, aber einen Status der Sondernutzung haben. Somit können Flächen genutzt werden, die nicht in Konkurrenz zum sozialen Wohnungsbau oder der Grundstücksspekulation stehen - vorausgesetzt, die Politik leistet hier die entsprechenden Voraussetzungen.
  3. Das Tiny House bietet auf Grund seiner Größe genügend Platz, um die Privatsphäre der Dorfbewohner in genügender Weise zu berücksichtigen. Umgekehrt soll es die Bewohner aber auch dazu animieren, möglichst viel Zeit außerhalb der eigenen vier Wände zu verbringen und sich in das Gemeinschaftsleben einzubringen. Dies soll durch einen zentralen Ort als Treffpunkt zusätzlich gefördert werden. Aber nicht nur das Thema „wohnen“ an sich sieht der Verein als Vorteil eines Tiny Houses.


Konzept gegen Altersarmut
Wenn die Politik davon spricht, die Rentner besser zu stellen, sieht das in der Praxis leider genau nach dem Gegenteil aus. Wird die Rente um 2% erhöht, fallen hinten durch die Doppelversteuerung der Rente bei den Empfängern höhere Steuern an. Fazit: Der Geldbeutel ist leerer als zuvor.
Zukünftigen Rentengenerationen wird die Rente permanent im Vorfeld gekürzt. Lag das deutsche Durchschnittseinkommen, an dem sich die Höhe der erworbenen Rentenpunkte ermisst, 2012 noch bei 32 446,- €, so ist dieses aktuell bereits bei 37 873,- € festgelegt. Hier sieht die Praxis dann so aus, dass sich die Anteile an den Rentenpunkten bei gleichbleibendem Einkommen von Jahr zu Jahr verringern. Und das in einem prozentual höheren Verhältnis als die Renten in der Auszahlung angepasst werden.
Um von diesem System unabhängiger zu werden und der Altersarmut vorzubeugen, soll unsere Gemeinschaft generationsübergreifend gestaltet werden. Ältere Menschen profitieren somit von der Unterstützung der Jüngeren und können umgekehrt durch ihre Lebenserfahrung und kleinere Aufgaben einen wichtigen und gewollten Beitrag zurück in die Gemeinschaft geben. Angesichts der viel niedrigeren Lebenshaltungskosten im Bereich der Miete (Wohneigentum im eigenen Tiny House) ist dies ein nachhaltiger Beitrag gegen die Altersarmut.


Nachhaltige Lebensgestaltung
Wir wollen mit unserem Verein und seinem Pilotprojekt, dem Tiny-House-Dorf, auch einen, wie wir finden, unvermeidbaren Schritt in ein bewussteres Konsumverhalten gehen. Unser Planet ächzt unter der Belastung, die wir ihm als Bewohner durch unseren unstillbaren Konsum antun. Wir verbrauchen endliche Ressourcen, als wären diese unendlich verfügbar. Wir produzieren Müll, nur um uns ein paar Minuten gut zu fühlen. Coffee to go, Strohhalme, der Mittagssalat aus dem Supermarkt. Mit dem naturnahen Leben im und rund um die Tiny Houses soll das Bewusstsein für das eigene Konsumverhalten geschärft werden. Wenig Platz bedeutet Planung der eigenen Ressourcen. Anschaffungen wollen gut überlegt sein. Braucht es dieses oder jenes Teil wirklich? Eine Frage, die sich auch in den Alltag außerhalb des Dorfes tragen soll.

„Unser Verein versteht sich als Stimme für Menschen, die ihre Lebensplanung selber in die Hand nehmen wollen - als aktive Mitglieder oder auch Förderer des Vereins oder dessen Projekten“

Das nächste Vereinstreffen findet am 11.11. um 11:00 Uhr im Wirtshaus Flößerei in Wolfratshausen statt. Der Verein läd hierzu Interessierte ein dazuzukommen und sich direkt vor Ort zu informieren.
Mehr Informationen finden Sie unter https://einfach-gemeinsam-leben.info